DMA-Absolventin Magdalena Schippmann auf dem Hamburger Filmfest

Am 01.10.2019 ab 16.30 Uhr diskutiert die ehemalige DMA Studentin Magdalena Schippmann mit anderen Filmschaffenden im Filmfestzelt zum Thema „Nachwuchsmangel in der Filmbranche?“

Magdalena fing im Wintersemester 2015 an, an der DMA medienakademie Hamburg Film- und Fernsehregie zu studieren. Nach ihrer Zeit in Mittweida hat sie bei verschiedenen Filmproduktionen mitgewirkt und ist nun kurz vor ihrer Bachelorschreibphase. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt:

Wie ging es für Dich nach dem Studium an der DMA weiter? 
Ich habe schon vor meiner Mittweida-Zeit im WS 2017 ein Praktikum bei OmaIngeFilm angefangen und konnte so bei der Produktion von Systemsprenger als Produzentenassistenz und Set-Praktikantin mitwirken. Nach dem Praktikumsbericht habe ich noch zwei weitere Praktika gemacht: eins in der Set-AL bei einem NDR Märchen, produziert von Ziegler Film Köln, und eins in der Regie bei einer Kinofilmproduktion von Tamtam Film. Zwischendurch habe ich immer wieder bei unbezahlten Projekten, wie Musikvideos oder HMS-Abschlussfilmen, die Set AL oder auch 1. Regieassistenz übernommen. Durch ehemalige Kommilitonen habe ich auch bezahlte Jobs in diesen Bereichen bekommen. Anfang 2019 habe ich noch einen kurzen Exkurs an die Weimarer Musikhochschule als Regieassistentin bei der Zauberflöte gemacht. Seitdem bin ich aber hauptsächlich nur noch an großen Sets zu finden. Dort arbeite ich als Set-AL-Assistenz oder als 2. Regieassistenz – alles durch Leute, die ich bei meinen ersten Projekten kennengelernt habe. Ich habe quasi für beide Gewerke einen Chef, der mich zu Projekten dazu holt. Ich arbeite mit beiden unglaublich gerne zusammen und möchte keinen von ihnen missen! Im Oktober werde ich endlich meine Bachelorarbeit schreiben. Außerdem will ich im Dezember meinen eignen Kurzfilm drehen.

Hast Du Dir dabei konkrete Ziele gesetzt?
Tatsächlich war immer mein mittelfristiges Ziel, einen Master an einer großen staatlichen Filmhochschule im Bereich Regie zu machen. Da ich Hamburg sehr liebe und auch hier meine Freunde und Arbeitskollegen wohnen, war die HMS für mich immer der nächste Anlaufpunkt. Da dort die Bewerbungen nur alle 2 Jahre möglich sind und ich das mit meinem möglichen Abschluss 2018 grade verpasst hätte, wollte ich in den kommenden 2 Jahren so viel Erfahrung sammeln wie möglich. Dabei habe ich viele großartige Leute kennengelernt und eine Position gefunden, mit der ich sehr zufrieden bin. Trotzdem ist mein großer Traum immer noch, selbst Regie zu führen. Und das bedeutet für mich nicht nur, Geschichten mit visuell spannenden Bildern und personenbezogener Schauspielführung zu erzählen, sondern auch ein Team durch das Projekt hindurch zu leiten, zu motivieren und ein Zusammen zu schaffen. Dafür wollte ich so viele Facetten eines Filmsets wie möglich mitbekommen. Durch die verschiedenen Projekte, Arbeitsweisen und natürlich auch Personen bin ich dem ein gutes Stück nähergekommen und auch jetzt noch natürlich für jede neue Erfahrung dankbar.

Inwiefern hat Dich das Studium an der DMA geprägt?
In meinem Studium habe ich in den ersten 1,5 Jahren sehr viele Produktionsaufgaben übernommen, auch wenn ich eigentlich Regie führen wollte. Dadurch habe ich viele administrative Sachen gelernt, die für den kompletten Ablauf eines Projektes wichtig sind. Das hat mir für die folgenden Projekte außerhalb der Uni sehr geholfen. Außerdem habe ich natürlich aus jedem einzelnen Projekt unglaublich viel mitgenommen. Ich könnte jetzt noch zu jedem Uniprojekt mindestens eine spannende Geschichte erzählen, die mich bis heute begleitet. Außerdem begegne ich an nahezu jedem Set mindestens einem DMA-Alumnus, dem es genauso geht, und man hat sofort eine besondere Verbindung, weil man einfach „dasselbe“ erlebt hat. Nicht zuletzt sind es natürlich die Menschen, die mich am meisten geprägt haben. Sei es mein herausragend talentierter und motivierter Kurs, mit dem ich so viel erlebt und verwirklicht habe, die wirklich praxisorientierten, tollen Dozenten, die inzwischen auch zu Freunden geworden sind oder die familiäre Studienatmosphäre, die uns die Standortleitungen durch ihre offenen Türen und stetigen Bemühungen immer ermöglicht haben. Die 2 Jahre an der DMA waren eine sehr arbeitsintensive und besondere Zeit, an die ich gerne zurückdenke. Ich bin sehr froh, dass ich eben diesen einen „Zwischenjahrgang“ gerutscht bin, in dem die Unterrichts-Praxis aus der alten Studienordnung und die Semesterferien-Praxisphasen der neuen Studienordnung vereinigt wurden. Dadurch habe ich nicht nur viel über Produktionsabläufe gelernt, sondern es hat uns auch als Kurs zusammengeschweißt und einzigartige Erinnerungen an die Uni geschaffen.

Wo stehst Du heute? Wie sieht Dein Alltag aus?
Heute stehe ich eigentlich schon mit beiden Beinen im Berufsleben. Einen richtigen Alltag gibt es da nicht. Genau das finde ich ja so schön an diesem Beruf. Entweder steige ich als 2. Regieassistenz in die Vorbereitungszeit im Büro ein, kommuniziere schon vor ab mit allen Gewerken, bin dann beim Dreh immer mit am Set ganz dicht bei der Regie und selbst am Inszenieren. Oder ich bin in der Aufnahmeleitung, sorge am Set und der Base dafür, dass alles läuft, bin auch oftmals am Schleppen und Ackern, aber habe weder großartige Vor- noch Nachbereitung. Es kommt aber auch mal vor, dass ich „Freizeit“ habe, in der ich mich von den Projekten erhole, mich mit Freunden treffe, einfach Fünfe grade sein lasse – und natürlich an neuen, eigenen Projekten arbeite. Allerdings bin ich meist auf Achse für anstehende Projekte – entweder bezahlt oder mit Freunden. Da fällt es mir kurzfristig gesehen immer noch schwer, für die Bachelorarbeit drei Monate oder einen Masterstudiengang zwei Jahre auszusteigen. Trotzdem weiß ich genau, dass ich später einmal selbst Regie führen möchte und mir diese Punkte langfristig gesehen helfen. Außerdem habe ich auch wirklich Lust auf diese Projekte – auch wenn sie ganz anders sind als mein gewohnter „Alltag“.

Du bist beim Filmfest auf eine Diskussion eingeladen. Wie kam es dazu und warum genau zu diesem Thema?
Die Einladung hat mich selbst etwas überrascht. Ich sehe mich jetzt nicht als großen Redner. Aber als mich unsere ehemalige Standortleiterin Ulrike Dobelstein-Lüthe fragte ob ich Lust hätte, mich als weiblicher Nachwuchs der Filmbranche zu diesem Thema zu äußern, war ich begeistert. Ich setzte mich gerne als Vermittler zwischen verschiedenen Positionen ein, von denen ich beide Seiten in gewisser Weise kenne. Außerdem wird meiner Meinung nach viel zu oft über Probleme diskutiert, ohne die Betreffenden wirklich mit einzubeziehen. Das Thema Nachwuchsmangel in der Filmbranche ist vor allem in letzter Zeit immer größer geworden. Erfahrene Filmschaffende wollen aufhören zu arbeiten, doch es gibt niemanden, der sie ersetzt. In Medienstädten wie Hamburg oder Berlin werden grade auch Assistenzpositionen verzweifelt gesucht und die paar Menschen, die in dem Bereich arbeiten, werden überhäuft mit Jobanfragen. Natürlich bemerkt man solche Themen erst, wenn es kurz vor knapp ist… Es gibt schon viele Berichte zu diesem Thema, allerdings noch keine Lösungsansätze. Vielleicht können wir ja auf dem Filmfest dazu beitragen, die Sichtweisen zu verdeutlichen, zusammenzuführen und neue Ansätze zu schaffen. Das Panel wird von der Hamburg Media School veranstaltet.