„Ich bin eine ganz normale 24-Jährige“

Tennisstar Carina Witthoeft im Interview

Im Rahmen des Moduls Darstellungsformen im Sportjournalismus bei Dozent Andrej Antic, Chefredakteur des Tennis Magazins, besuchte die Sportjournlismus und Sportmanagement Studierende Sidni Mullaraj, die ehemalige Prof-Tennisspielerin, Carina Witthöft. Das Interview war Teil des Unterrichts.

„Bis ich mich körperlich und geistig hundert Prozent bereit fühle“- so schreibt Witthöft im Februar auf ihrem Instagram-Account in Reaktion auf die Frage, wann sie wieder auf dem Platz stehen werde. Mit zwölf ITF- und einem WTA Titel, sowie zahlreichen Turnierteilnahmen, darunter einige Grand Slams, erreichte die Hamburgerin die Top 50 der Weltrangliste. Doch die Frage steht noch im Raum: Wird die Hamburgerin ihr Comeback auf der Tour geben?

Welche Rolle spielt Tennis jetzt in deinem Leben?
Immer noch eine große Rolle. Klar hat es sich einen Tick verschoben, aber es nimmt nicht mehr die Zeit in Anspruch, die es noch vor einem dreiviertel Jahr eingenommen hat. Ich spiele auch vier- bis fünfmal die Woche selbst Tennis, sprich fast jeden Tag. Und ich mache mir auch sehr viele Gedanken darüber, ob ich nochmal anfangen sollte oder nicht.

War es nur die Verletzung, die dich dazu gebracht hat, Abstand von Tennisturnieren zu nehmen?
Es hängt alles ein bisschen zusammen. Wenn man so viel verletzt ist, geht es auch ans Mentale. Man merkt, dass man einfach nicht mehr in der Lage ist, Bestleistungen abzurufen und dann kannst du die Matches nicht gewinnen. Die kann man nur gewinnen, wenn man bei hundert Prozent ist und wenn man da nicht hinkommt, ist klar, dass es auch am Selbstvertrauen kratzt.

Was war oder ist dir wichtig im Tennis? Weltrangliste und Turniersiege oder Spaß und Zufriedenheit mit dem eigenen Spiel auch bei Niederlagen?
Ja, im Grunde sollte zweiteres, also der Spaß und das Spiel viel wichtiger sein als das Ergebnis. Nur ich glaube, das ist so ein Dauer-Thema bei jedem Profi, dass das einfach schwierig ist, den Fokus nur auf das Spielerische zu legen. Weil das Ergebnis- und Erfolgsdenken irgendwie sehr dominant ist und man das auch schwer abschalten kann (lacht dabei).

Gibt es andere Hobbys, die du gerne ausübst?
Ja. Eine ganz große Leidenschaft von mir ist die Mode, weil ich selbst nähe, zum Beispiel Mäntel. Ich habe schon drei selbst kreiert, gerade gestern erst habe ich einen neuen angefangen (lacht). Dann interessiere ich mich auch sehr für Yoga. Ich habe jetzt meine Yoga-Trainer-Ausbildung gemacht.

Möchtest du dich in Richtung Mode weiterentwickeln, vielleicht sogar studieren?
Mode ist eine sehr schwierige Branche, bei der ich erstmal gesagt habe, das bleibt mein Hobby. Aber klar, was sich in ein oder zwei Jahren entwickelt, weiß man nicht. Ich habe jetzt nicht konkret vor, Mode zu studieren. Deshalb mache ich es nur für mich, das bringt mir Spaß und alles andere wird sich entwickeln (im Hintergrund hört man Teddy, ihren Hund, der mit seinem Tennisball spielt).

Da du jetzt als Yoga-Trainerin ausgebildet bist, gibst du schon Kurse?
Noch nicht offiziell, aber das ist der Plan, dass ich da eventuell ein bisschen einsteigen möchte.

Was denkst du über die ganzen Kritiken wie ‘Aufgeben mit 23 Jahren’, ‘Vom Tennisprofi zum Instagram-Star’, ‘Du solltest dich lieber auf Tennis konzentrieren’?
Irgendwie gehört es dazu, wenn man in der Öffentlichkeit steht, dass da Positives und Negatives auf einen einprasselt. Klar, mit Instagram ist es immer so ein Thema: Wenn man Erfolg hat, kann man machen, was man möchte und wenn es mal nicht so gut läuft, dann stürzen sich die Leute auf eine Sache, die davor egal war. Deswegen sollte man darauf nicht so viel Wert legen. Ich schaue auch, dass ich diese Menschen bei mir nicht ranlasse und mir das Leben so einrichte, wie es mir Spaß bringt. Denn der Grund für meine Pause war definitiv nicht, dass ich ein Bild zu viel oder zu wenig gepostet und dadurch auf dem Platz verloren habe. Jedem normalen Menschen sollte klar werden, dass es nicht plausibel ist, wenn dort die Schuld gesucht wird. Abgesehen davon bin ich eine 24-Jährige wie jede andere. Eine, die das machen kann, worauf sie Lust hat.

Kannst Du uns verraten, wie man sich nach einem Punkt- oder Spielverlust wieder aufbaut?
Das hat sowohl mit Disziplin als auch mit Training zu tun. Du kannst nicht jeden Punkt gewinnen. Man sollte sich neu Fokussieren und nicht mit dem Punkt beschäftigen, den man verloren hat. Wichtig ist, den Fokus darauf zu legen, was man verbessern kann.

Du hast zuletzt viele Trainierstunden gegeben. Wie siehst Du deinen Job als Trainerin?
Das Wort Trainerin ist nicht passend für mich, weil ich wenig Stunden gebe. Im Sommer hatte ich eine Aktion gemacht, bei der ich Training angeboten habe. Ich wollte mal die Erfahrung sammeln, wie das überhaupt so als Trainerin ist, denn es hatte mich immer interessiert. Mein Fazit: Es macht auf jeden Fall Spaß, aber nur, wenn die Leute richtig motiviert sind.

Wie reagieren die Schüler auf Dich als Trainerin?
Die haben süß reagiert, alle haben sich riesig gefreut und mir teilweise sogar Blumen mitgebracht. Die haben die Stunde wertgeschätzt und das hat auch viel Spaß gemacht, weil einige es auch als Geburtstagsgeschenk bekommen haben. Es war für die Schüler etwas Besonderes und das hat man gemerkt und gerade deshalb hat es mir auch viel Spaß bereitet.

Hast Du eine Message an die tennisspielenden Leser?
Immer positiv bleiben, im Sport gehören eben auch Rückschläge und mal schlechte Punkte oder schlechte Matches dazu. Bleibt immer dran, konzentriert euch auf die positiven Sachen und setzt euch immer kleine Ziele – für jedes Training und jedes Match.

Wird es ein Comeback auf der Tour geben?
Das kann ich so nicht beantworten, es ist noch offen. Ich möchte nicht versprechen, dass es eins geben wird. Genauso wenig kann ich sagen, dass ich nie wieder Turniere spielen werde. Ich gebe dazu ungerne ein Statement. Mein Traum ist es, nochmal ein großes Turnier zu spielen.